Adipositas 

Adipositas ist eine chronische Krankheit, die in allen industrialisierten Ländern zu finden ist. 

Sie führt zu eingeschränkter Lebensqualität  und ist Ursache für viele Begleiterkrankungen. 

Die Lebenszeit adipöser Menschen ist erheblich verkürzt.

Ursachen von Übergewicht und Adipositas

  • genetische Ursachen
  • Bewegungsmangel
  • Fehlernährung
  • Stress
  • Essstörungen
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Medikamente
  • Andere Ursachen

Verbreitung der Adipositas

Immer mehr Menschen in Deutschland leiden an starkem Übergewicht (BMI ≥ 30). 

Derzeit sind etwa 65 % der erwachsenen Männer mit einen BMI ≥ 25 übergewichtig und ca. 20% mit einem BMI ≥ 30 adipös. 

Bei den erwachsenen Frauen sind etwa 50% übergewichtig und mehr als  21 % adipös. 

Auch bei Kindern und Jugendlichen wurde in den letzten Jahren ein Anstieg beobachtet.

Begleiterkrankungen und Komplikationen von Übergewicht und Adipositas

  • Störungen des Kohlenhydratstoffwechsels, Diabetes mellitus Typ 2
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Gicht
  • Störungen der Blutgerinnung
  • Chronische Entzündungen
  • Bluthochdruck
  • Herzerkrankungen
  • erhöhtes Krebsrisiko
  • Hormonelle Störungen
  • Lungenfunktionsstörungen
  • Magenerkrankungen
  • starke Leberbelastung
  • Erkrankungen des Bewegungsapparates
  • Erhöhtes Operations- und Narkoserisiko
  • Allgemeinbeschwerden (z.B. verstärktes Schwitzen, Gelenkbeschwerden, Belastungsdyspnoe)
  • Einschränkung der Aktivitäten des täglichen Lebens
  • Verminderte Lebensqualität
  • Erhöhtes Unfallrisiko
  • Erhöhtes Komplikationsrisiko während der Schwangerschaft
  • Psychosoziale Konsequenzen mit erhöhter Depressivität und Ängstlichkeit, soziale Diskriminierung, Selbstwertminderung, soziale Isolation

Einteilung der Adipositas

Zur klinischen Einteilung der Adipositas wird der so genannte Body-Mass-Index (BMI) herangezogen. 

Er wird berechnet als Quotient von Körpergewicht (KG) in kg durch Körperlänge (KL) in m multipliziert mit sich selbst. 

BMI = KG / KL x KL   Einheit (kg/m2 )

Gewichtsklassifikation bei Erwachsenen anhand des BMI (nach WHO, 2000)

Kategorie

BMI

Risiko für Begleiterkrankungen

Untergewicht

< 18,5

niedrig

Normalgewicht

18,5 - 24,9

durchschnittlich

Übergewicht

> 25

Präadipositas

25 - 29,9

gering erhöht

        Adipositas Grad I

30 - 34,9

erhöht

        Adipositas Grad II

35 - 39,9

hoch

        Adipositas Grad III

> 40

sehr hoch

        Adipositas Grad IV

> 50

extrem erhöht

        Adipositas Grad V

> 60

extrem erhöht

Neben dem Ausmaß des Übergewichts bestimmt das Fettverteilungsmuster das metabolische und kardiovaskuläre Gesundheitsrisiko.

Ein einfaches Maß zur Beurteilung des viszeralen Fettdepots ist die Messung des Taillenumfangs.

Taillenumfang und Risiko für Adipositas-assoziierte metabolische Kompliationen (nach Lean et al., 1995)

Risiko für metabolische und

kardiovaskuläre Komplikationen

Taillenumfang (in cm)

Männer

Frauen

Erhöht

> 94

> 80

Deutlich erhöht

> 102

> 88

Therapieziele

Die Therapie der Adipositas soll realistische Behandlungsziele und individuelle Bedingungen und Wünsche berücksichtigen und über die Phase der Gewichtsabnahme hinaus eine langfristige Gewichtskontrolle sicherstellen. Behandlungsziele können im Einzelnen definiert werden:

  • langfristige Senkung des Körpergewichts
  • Verbesserung Adipositas-assoziierter Risikofaktoren und Krankheiten
  • Ernährungsumstellung
  • regelmäßige Bewegung
  • Reduktion von Arbeitsunfähigkeit und vorzeitiger Berentung
  • Stärkung der Selbstmanagementfähigkeit und Stressverarbeitung
  • Steigerung der Lebensqualität
  • Ernährungs- und Bewegungstherapie kombiniert mit einer Verhaltenskontrolle sind die wichtigsten Bausteine für ein erfolgreiches Gewichtsmanagement. 

Langfristige Gewichtsstabilisierung

Die Langzeitergebnisse von Gewichtsmanagementprogrammen hängen entscheidend vom langfristigen Betreuungskonzept ab.

Folgende Gesichtspunkte müssen beachtet werden:

Da der Energieverbrauch im Rahmen einer Gewichtsreduktion zurückgeht, bewirkt die Rückkehr zum früheren Lebensstil eine Gewichtszunahme . 

Die Energiebilanz muss auf Dauer so bemessen werden, dass das Körpergewicht konstant bleibt. 

Durch vermehrte körperliche Aktivität wird der Energieverbrauch erhöht. Durch gleichzeitigen Erhalt der Muskelmasse kann die Gewichtsstabilisierung erleichtert und unterstützt werden.

Vorteile einer Gewichtsreduktion

Eine Gewichtsreduktion bessert im Prinzip alle oben genannten Begleiterkrankungen und Komplikationen.

Am besten untersucht sind die Auswirkungen auf Stoffwechsel-, Herzkreislauf- und Gefäßerkrankungen.

Eine Vielzahl von Studien belegt erhebliche Vorteile einer Gewichtsreduktion:

  • Sterblichkeitsrate sinkt
  • Verringerung der Glucosetoleranzstörung
  • Risiko für die Ausbildung eines Diabetes mellitus Typ 2 sinkt
  • Rückgang der Fettstoffwechselstörungen
  • Blutdrucksenkung
  • Abnahme chronischer Entzündungen
  • Stärkung des Selbstbewusstseins

Chirurgische Therapie

Die Indikation für eine Operation kann nach Scheitern einer konservativen Therapie bei Patienten mit BMI ≥ 40 oder BMI ≥ 35 mit erheblichen Begleiterkrankungen gestellt werden. 

Im persönlichen Gespräch wird die Operationsmethode gefunden, die für den Patienten am besten geeignet ist.